My Sweet Prince (Remix)
Veröffentlicht in Kurzes Mit TagsBeziehung, Geschichte, Liebe, Musik bei Mai 14, 2008 von leehongdadongSie fühlte sich so warm und gut an. Weich und anschmiegsam.
Innerlich triumphierend, zog ich sie näher an mich heran. Das Gefühl von absoluter Zufriedenheit kam in Wellen, wie eine gewaltige Brandung an meinen steinigen Strand.
Sie drehte sich zu mir, die Sturmflut brach in mir los, überflutete fast meine Augen.
Nur ein Kuss konnte mich jetzt erlösen, sonst würde ich in der Flut untergehen.
Gerade spitzte ich meinen Mund um das Glück zu vervollständigen, als ich vor ihren kalten Lippen zurückschreckte. Sie fühlte sich an wie… Da wachte ich auf.
Ich war in Begriff mit dem Kissen eine innige Beziehung einzugehen, der fusselige Stoff verband sich mit dem Aroma von Knoblauch und schalem Wein in meinem Mund zu einem trockenen, üblen Geschmack.
Das Frösteln überkam mich dann endgültig, als die Ereignisse der letzten Nacht von meinem Gehirn wieder Besitz ergriffen.
Sie lag vor mir.
Ihr Körper zeichnete sich unter der dünnen Decke ab, zum Glück weit genug von mir entfernt, so dass ich sie nicht spüren musste.
Bilder in meinem Kopf… Ihr fordernder Blick, ihr übertriebenes Stöhnen, mehr von Enthusiasmus als Leidenschaft getrieben. Sie wollte mehr, immer mehr.
Jedesmal wenn ich in sie eindrang wurde ich wütender, immer wütender.
Sie war sich so sicher, gewonnen zu haben, mich zu haben. Ich hingegen wollte ihr das Gehirn rausvögeln, damit sie aufhörte nachzudenken und zu planen. Als ihre Schreie schließlich versiegten, stieß ich sie weg und schlief zum Glück schnell ein.
Da lag ich nun, neben einer Frau, die ich nicht wollte und hatte von der geträumt, die ich nicht haben konnte.
Der graue Himmel, der durch das Fenster kam und zur Atmosphäre im Zimmer passte, verstärkte das sprichwörtliche Grauen in mir, wenn ich auf ihren vor Zufriedenheit triumphierenden Körper blickte, der mich ob meiner Schwäche zu verspotten schien.
Hätte ich mein Gesicht im Spiegel neben dem Bett sehen können, wäre ich vor dem Ausdruck von Abscheu und Ärger sicher selber erschrocken.
Was war hier passiert?
Wein, viel zu viel billiger Wein, der mir zu Kopf und noch woandershin gestiegen war und uns in ihrem Bett hatte enden lassen… nur weil ich mir dachte, besser als gar nichts!
Doch nun erkannte ich: Alles war besser als das hier.
Flucht, war das erste, das sich in meinen Gedanken manifestierte, neben dem Wunsch, meinen Mund zu spülen um den faden Geschmack der Erinnerungen an sie endgültig zu ertränken.
Langsam schob ich meine Beine zur Bettkante, bei dem Versuch mich aufzurichten, knarrte und ächzte das Bettgestänge verräterisch. Ungehört zu entkommen würde der Schwierigkeit eines Fluchtversuchs aus Alcatraz gleichkommen. Auf keinen Fall aber, wollte ich warten, bis sie aufwachte und anfing Fragen zu stellen. Fragen, die ich nicht beantworten konnte.
Diese Nacht war ein Fehler, ein Unfall, aber mir war klar, für sie war es die ultimative Bestätigung, daß ich sie liebte.
Mittlerweile hatte ich es geschafft mich aufzurichten, lauschte, ob sich hinter mir etwas tat. Sie bewegte sich nicht, schnaufte nur leise, verächtlich, so kam es mir vor.
Der ganze kalte Raum fing an sich vor meinen Augen zu drehen, im Dunst von Zigarettenqualm und Schweiß gesellte sich Übelkeit dazu.
Besonders laut knarrte es, bei meinem Versuch mich vom Bett zu erheben, so als mahnte es mich da zu bleiben und sie nicht in der Lüge liegen zu lassen.
Keine Regung von ihr, ihr Atem blieb gleichmäßg, nervtötend ruhig.
Anstatt meines Shirts, fand ich nur ihren Slip auf der leeren Pizzaschachtel.
Stundenlang hatte sie auf mich eingeredet, von alten Zeiten, dabei gelächelt, damit ich verstand wie toll es war, das es wieder so sein könnte, schließlich war ich ja zurückgekommen… Sie hatte ja nicht die leiseste Ahnung.
Ich hatte nur genickt, war in Wahrheit aber mit meinen Gedanken bei einer anderen Frau. Von der sie nicht mal etwas wusste, von der ich aber glaubte zu wissen, was sie gerade mit ihrem glattgegelten, braungebrannten neuen Freund tat.
Ich leerte das Glas in einem Zug und ließ zu, daß sie meine Hand ergriff.
Sie hatte von Liebe gefaselt, da musste ich lächeln, wie dumm sie doch war. Ich schaute in ihre Augen, die im Kerzenschein leuchteten, hoffnungsvoll geblendet.
Gedanklich versuchte ich ihr Gesicht zu zerschneiden und neu zusammen zu setzen, so dass es mir irgendwie gefallen könnte.
Ich suchte nach einem Hinweis, warum sie einst die Erlösung meiner Sehnsucht war, doch alles was ich fand waren ihre flehenden Augen, ihr schwarzes lockiges Haar, das in ihr Gesicht fiel, mir half an jemand anderen zu denken, als ich meine Augen schloss und anfing sie zu küssen.
Still stand ich in der Mitte des Zimmers, suchte den Boden nach meiner Garderobe ab, damit ich nicht nackt auf die Straße musste. Jede Minute hielt ich inne, um mich zu vergewissern, daß sie noch schlief. Ein und Aus, auf und ab, senkte und hob sich die Decke über ihrem Brustkorb.
Ich bemerkte, daß wir für eine Sekunde im selben Atemzug waren, da hielt ich die Luft an.
Es gab keine Verbindung mehr, diese Nacht hatte nur bestätigt, was ich längst wusste, ich wollte sie nicht mehr.
Die weiße, doppelseitige Schiebetür war das letzte Hindernis, nachdem ich Hose und Shirt gefunden hatte. Vorsichtig, wie ein Mörder der den Tatort verlässt, ohne Spuren hinterlassen zu wollen, öffnete ich die Tür einen Spalt weit. Sie quietschte, um ein vielfaches lauter als das Bett, sie steckten alle mit ihr unter der Decke.
Sie schreckte auf und säuselte mir zu.
„Wo willst du hin, mein Prinz?“
Wie ein ertappter Verbrecher erstarrte ich in der Tür. „Fuck“ brüllte ich innerlich.
„Ich muss weg“, ließ ich sie wissen, ohne mich umzudrehen.
„Brian?“, setzte sie erneut an.
„Simonique?“, ich betonte jede Silbe unschuldig, um ihren unheilvollen Fragen zu entgehen.
„Du kommst nicht wieder.“, stellte sie fest, ohne zu fragen.
Ich schob die Tür auseinander und lehnte am Türrahmen, meine Augen auf den Boden fixiert.
„Nein.“, antwortete ich und sah hoch. Sie saß auf dem Bett, ihr Haar hing wirr in ihr Gesicht, sie hielt die weiße Decke wie zum Schutz im ihren Körper fest.
Simonique fuhr sich mit einer Hand durch ihr Haar, nickte, so als ob sie verstanden hätte.
Sie faltete die Hände in ihrem Schoß und ließ ihre Schultern sinken, die Decke blätterte von ihr ab, sie hatte ihr keinen Schutz geboten.
„Warum bist du dann hergekommen? Ich dachte du fühlst wie ich… Warum?“, noch während die Anklage formuliert wurde , stand sie auf und kam auf mich zu.
Die Decke ging zu Boden, entblösste sie vollends. Ich wich ihrem tränenfeuchten Blick aus, ich hatte genug mit meinen Emotionen zu tun, ich wollte ihre nicht ertragen.
Bereit, eine Mauer aus vernichtender Offenheit hochzuziehen, teilte ich ein letztes Mal meine Gedanken mit ihr.
„Ich liebe dich nicht, darum gehe ich jetzt.“
Stille folgte, der Satz hallte noch ein paar Sekunden nach. Genug, um meine Hose anzuziehen, denn es gab nichts mehr für mich zu sagen.
Sie biß sich auf die Unterlippe, damit ich nichts von dem Beben in ihr mitbekam, doch ich bemerkte es, ob ich wollte oder nicht.
Ich griff nach meiner Jacke und der Türklinke zur selben Zeit. Gerade als ich hindurch ging, hörte ich sie im Schlafzimmer ein letztes Mal.
„Du bist der Eine.“
Die Tür fiel ins Schloss und ich ging so schnell mich meine Beine trugen, die Straße entlang. Alles war kalt, alles war egal. Ich lachte vor mich hin, während mir Tränen die Wange hinunterliefen. Ich versuchte mich mit dem Gefühl zu trösten, daß ich genauso unfair war wie die Liebe. Es war richtig so und es gab kein Zurück.
Sie hatte mein Gehirn gefickt, ich hatte sie gefickt, wir waren quitt.
Zu Hause, sofort drehte ich die Musik auf, um mich vom depressiven Klang des Klaviers und der hämmernden Drum des Schlagzeugs zu betäuben und um ihre letzten Worte verstummen zu lassen.
Ich fiel auf die Couch und dachte an meine Liebe. Als wir zuletzt gesprochen hatten, erwähnte sie beiläufig, daß sie sicher bald einen Freund finden würde, um ihm das Herz zu brechen. Sie lachte, während ich wünschte sie würde meines brechen, entgegnete ich ihr, wie furchtbar eifersüchtig ich werden würde dann.
Pause.
Eigentlich war ich schon da furchtbar eifersüchtig, aber ich war hier und sie war da, zu weit weg.
Alles war falsch, alles war verkehrt.
Wenigstens hatte ich eine Sache klargestellt, wenigstens wusste ich jetzt was ich wollte und was nicht. Die Frage war nur, für wie lange.
Ich fand mich wieder in einem Raum voller Spiegel, sie drehten sich, knarrten dabei wie das Bett. Die Spiegel zeigten ihr Spiegelbild, anstatt meines. Mit zerzausten Haaren und der Bettdecke um die Hüften gewickelt. Von allen Seiten tönte es: Du bist der Eine!
Die einzige Tür ließ sich nur schwer öffnen und knarrte so laut, wieder kam es von den Spiegeln gerufen… Auf einmal hörte ich ein Klingeln.
Ich begriff zuerst nicht, dann wachte ich auf, die Musik dröhnte immer noch aus den Boxen und mein Telefon klingelte.
Es war Josh, ihr bester Freund. Ich erwartete eine Standpauke, eine Drohung, aber ich lag falsch.
„Wann hast du sie zuletzt gesehen?“, wollte er wissen, seine Stimme klang erschüttert.
Ich schaute auf die Uhr, ich hatte drei Stunden geschlafen.
„Heute morgen, warum fragst du?“
„Nun…“, er überlegte einige endlose Sekunden, „ich habe sie vor einer Stunde gefunden.
Eine Schachtel Schlaftabletten und eine Flasche Scotch. Der Arzt konnte ihr nicht mehr helfen.“
Ich saß kerzengerade, mein Mund stand offen, ich wusste nicht was ich sagen sollte.
Sie war zu weit gegangen. Nur wegen mir? Vielleicht hatte es andere Gründe, rasten meine Gedanken. Ich schämte mich plötzlich, niemals hätte ich gedacht so zu fühlen.
„Brian?“
„Ja?“
„Das ist noch etwas…“
„Was?“ Ich war außer stande einen ganzen Satz zu bilden.
„Auf dem Spiegel stand etwas mit Lippenstift geschrieben:
Vergiss nie, mein süßer Prinz, du bist der eine!“
Alte Geschichte neu aufgelegt, die alte lasse ich mal noch stehen, zwecks Vergleichbarkeit.


