Majestätisch erhebt sich ein Steinadler in die Lüfte, unter ihm die schroffen Felsen des Kaukasus. Mit nur wenigen Flügelschlägen, schraubt sich der Raubvogel höher, bis er unter den tiefhängenden Nebelschwaden des Elbrus verschwindet. Immer aufmerksam die Hänge absuchend, um vielleicht einen Steinbock zu erspähen, den er mit seinen messerscharfen Krallen erlegen kann.
Von den Dingen die sich da nur ein paar hundert Kilometer weiter ereignen, weiß er nichts.
Da spielt es sich zu, daß die seit 1996 nach langen Wirren halbwegs zur Ruhe gekommene Region, die da heißt Südossetien, erneut Schauplatz eines Geplänkels wird.
Die Südosseten an sich, sind ein freiheitsliebendes Volk, welches unabhängig sein will. Nicht komplett natürlich, denn die hübsch bunten russischen Pässe sind begehrt, vielleicht findet man dort, im wachsenden Russland, eine Arbeit. Auf jeden Fall aber, will man mit diesen Georgiern nicht viel zu tun haben. Diese Georgier eben jedoch, die wollen ganz viel mit den Südosseten zu tun haben, schließlich weiß Georgien um die Unterstützung der NATO in ihrem Bestreben nicht zu einem Flickenteppich zu werden, mit russisch bemalten Punkten. Daher wird aufmarschiert, mit allem was die Vereinigten Staaten so entbehren konnten. Den Südosseten, mit der russischen Armee im Rücken, schwillt da der Kamm. So schaukelt man sich hoch, bis Michelin Saakaschwili sich entschließt, die Hauptstadt Südossetiens, Zchinwali, einfach mal einzunehmen, denn die Welt schaut auf China, welches zu dem Zeitpunkt darum bemüht ist, die umfangreiche Geschichte des Landes als olympische Eröffnungsfeier nachzutanzen.
Aber Russland schläft nicht, die Zeiten sind seit Boris Jelzin zum Glück vorbei. Ist Südossetien ja nicht umsonst unter russischen Schutz gestellt und so kommt es, wie es kommen muss. Russland bekämpft die georgischen Truppen, drängt sie innerhalb eines Tages aus Zchinwali zurück.
Nicht das dies irgendjemanden überrascht hätte, denn Georgien ist keine Militärmacht wie Russland, das wusste auch Saakaschwili. Aber nun konnte der eigentliche Einsatz erst beginnen.
In Stalins Geburtsstadt Gori, nicht weit entfernt der georgischen Hauptstadt Tiflis, läuft der georgische Präsident auf, um persönlich und unglaublich dramatisch darzustellen wie gefährlich „diese Russen“ sind . Daß sie wahllos auf alles schießen was keinen russischen Pass besitzt.
So läuft er, ohne erkennbaren Grund davon, vielleicht verängstigt von all den Bodyguards mit schweren Schusswaffen um ihn herum. Geschossen hat dort jedenalls keiner.
Damit ist klar: Russland hat in einem Akt des Grössenwahns, das völlig überraschte Georgien überfallen um es in sein imperialistisches Großreich einzugliedern.
Böses, kaltes Russland…
Die NATO, welches seit längerem mit dem Gedanken spielt Georgien in seinen glorreichen Verbund aufzunehmen, kann gar nicht anders, als sich auf die Seite von Saakaschwili zu schlagen und Russland zu verurteilen.
Mehr wollte dieser auch gar nicht erreichen.
Dieselbe NATO übrigens, die 1999 im Kosovo sich gezwungen sah zu intervenieren, als der Konflikt zwischen Albanern und Serben immer mehr ausser Kontrolle geriet und die Serben Städte besetzten.
Die Kosovaren hatten auch diese fixe Idee Unabhängig sein wollen. Und 9 Jahre später erkennen die Vereinten Nationen den Kosovo als unabhängigen Staat an.
Also.. manche Staaten zumindest.. ein paar… wenige.. Serbien natürlich nicht.
Aber territoriale Unversehrtheit ist auch ein komplexer und dehnbarer Begriff. Der jedoch im Südossetien-Konflikt beste Anwendung findet, obwohl auch in Südossetien (Nordossetien ist russisch übrigens) hauptsächlich Osseten leben, die sich noch nie als Georgier verstanden haben.
Die internationalen Medien freuen sich.
Nach dem Sommerloch kommt neben Olympia sogar noch ein Militärkonflikt ins Haus, mit tollen Bildern von zerstörten Panzern, Rauchschwaden und sogar ein paar Toten. Der Schuldige ist schnell gefunden. Russland, das alte und neue Feindbild des Westens.
Alleine schon wie der russische Präsident Medvedev gucken kann, so kalt…
Schnell ist die Rede vom wiederauflammen des kalten Krieges, mit dem Russen als Bösewicht, der wie ein sibirischer Bär seine Emotionen und wahren Intentionen hinter einer Maske versteckt, den man nicht so leicht versteht und darum lieber verteufelt. (Link)
Dagegen der gute Westen mit der einzig wahren Regierungsform der Demokratie, die überall Einzug halten sollte, denn nur so können die Medien den Großteil von Volk und deren Meinung manipulieren.
Letzte Nacht hatte ich einen Traum übrigens. Ich wachte auf und direkt vor meinem Haus stand ein Lkw mit Raketen. Auf meine Nachfrage, was die da sollen, versichert man mir, die seien gegen meine bösen, weit entfernten Nachbarn gerichtet.
So ähnlich hält das die NATO auch. Und Staaten wie Polen und Tschechien reiben sich natürlich die Hände, eindlich eine Kooperation mit den reichen Staaten des Westens.. was auch immer die dort platzieren wollen und wofür.
Dass Russland den Kopf schüttelt über so ein Raketenabwehrschild… wen wundert das wirklich? Wie groß wäre das Geschrei, wenn Russland tatsächlich Raketen auf Kuba platzieren würde?
Bei soviel diplomatischem Geschick und Bereitschaft zum Dialog wie ihn die Europäische Union und vorallem die NATO im Konflikt zwischen Georgien und Russland zeigen, wird mir Angst und Bange. Aber das im Kaukasus 200 Mrd. Barrel Erdöl vermutet werden, könnte eine Erklärung sein, warum man sich blind auf die Seite Georgiens schlägt, die leichter zu manipulieren und damit kooperativer als Russland sind.
Der Adler hat mittlerweile einen Steinbock erspäht, setzt zum Sinkflug an und greift sich den erstaunten Bock vom Felsen.


