Die Spiele auf Chinesisch

Noch 100 Tage!
Am 8. August 2008 werden dann die 29. Olympischen Sommerspiele im Nationalstadion von Beijing, der Hautpstadt der Volksrepublik China eröffnet.
Bis zum 31. August werden 302 Wettbewerbe mit ca. 10.500 teilnehmenden Athleten aus 205 verschiedenen Nationen ausgetragen.
Oder doch nicht?
Seit der Vergabe der Spiele im Jahr 2001, mehren sich nun die kritischen Stimmen, die sogar einen Boykott verschiedener Länder fordern.
Doch warum nur?
China und die Menschenrechte. Das ist eine Geschichte voller Missverständnisse, die vorallem in Inneren passieren.
Etwa 10.000 Menschen (Dunkelziffer) werden pro Jahr exekutiert.
Sei es, weil sie sich regimekritisch geäußert haben, einen Skandal der Regierung aufdeckten, oder einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Weitere 280.000 pro Jahr sterben in Konzentrationslagern, in denen die Häftlinge zurück zur allgemeinen Ordnung finden sollen.
Viele weitere “Quertreiber” werden schwupps inhaftiert und somit fürs Erste mundtot gemacht.
Tibet
Im Jahre 1953 unterzeichnete Tibet auf militärischen Druck Chinas hin, ein 17-Punkte Abkommen. Dieses sieht die Annektierung Tibets zum chinesischen Staatsgebiet vor, bei weitgehend autonomer Innenpolitik. Dieses Abkommen wird von den Tibetern, allem voran dem Dalai Lhama, zähneknirschend (aber leise) hingenommen, jedoch nicht als rechtens akzeptiert.
Die seit einigen Wochen andauernde, feuergewaltige Wortmeldung der Tibeter, um auf diesen unlauteren Vertrage aufmerksam zu machen, wird von China mit der Besetzung und Verbannung ausländischen Beobachter und Journalisten beantwortet.
Viele Protestanten sterben.
Bei Siddharta!
Wie konnte man so einer Nation die olympischen Spiele anvertrauen?
Sollten diese Festspiele der Völkerfreundschaft, die im friedlichen Wettstreit um Medaillen und Ruhm kämpfen in einem Land stattfinden, welches sich solcher Verbrechen schuldig macht?
Allgemeinhin versteht sich das Internationale Olympische Komitee als “Nicht-politisch”, gilt dabei aber als durchaus beeinflussbar, was die Vergabe der Spielorte betrifft. Und nicht zuletzt die Erklärungen, warum die Spiele an China vergeben wurden, sind zumindest interessant.
So wird die starke Präsenz und Kontrolle der Regierung, als “gesund” bezeichnet und das politische System als für “China funktionierend” erkannt.
Die Todesstrafe finde ich dabei interessant. China ist nicht das einzige Land, in dem diese Praxis noch etabliert ist. Auch in den Vereinigten Staaten von und zu Amerika, dem Sinnbild der mordernen westlichen Kultur, gibt es sie noch.
Und wer würde beim studieren der Nachrichten nicht auch Josef Fritzl, dem tyrannischen, perversen Schänder einer ganzen Familie, die Todesstrafe gönnen?
Auch in China sieht man das nicht anders. Man weiß was erlaubt ist und was nicht, wen es erwischt, der hat eben Pech.
Das sind die Chinesen eben so gewohnt.
Presse- und Meinungsfreiheit? Was das Chinesische Volk wissen muss, das weiß es auch. Alles andere, ist Propaganda.
Auch das sind die Chinesen so gewohnt.
Die Regierung Chinas ist bemüht die Lebensbedingungen zu verbessern. Mit dem starken wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre, ist die allgemeine Armut von ehemals über 50 % auf etwa 8 % gesunken. Das sind ca. 104 Millionen Menschen.
Die Gehälter sind, zumindest in den Städten, angestiegen. Die Menschen häufen Wohlhaben an, zumindest manche. Und darauf ist man stolz.
Das Privateigentum wird vom Staat als Privat respektiert, solange es legal ist. Keine Kollektive, sondern Marktwirtschaft, so lautet die neue Prämisse.
Im Zuge der Baumaßnahmen für die Spiele mussten viele Menschen umgesiedelt werden. Die Zahlen schwanken leicht, von 1,5 Millionen, laut Zentrum für Wohnrecht, bis hin zu 10.000 Umsiedler, seitens der Regierung.
Respekt für Privateigentum hat seine Grenzen.
Bettler und geistig Behinderte werden für die Dauer der Spiele aus Peking ausgewiesen. Ausländische Studenten ebenso. Der Smog und das mit Schadstoffen belastete Trinkwasser aus den Leitungen, können leider nicht ausgewiesen werden, natürlich hat es die Regierung Chinas aber zumindest versucht.
Mit Dank an Wikipedia für das Tilgen meines Hungers nach Quellen für Informationen, komme ich zu einem Fazit:
China ist ein großes Land, mit vielen Menschen. Die Regierung weiß das und tut sein Bestes, den Menschen nur genau das zukommen zulassen, was sie für gut erachtet. Das ist nicht besonders viel. Die Regierung darf nicht in Frage gestellt und schon gar nicht geschädigt werden. Denn was Generalstreiks oder Demonstrationen auslösen können, hat man 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens gesehen. Da der Informationsfluss stark gehemmt wird und sehr bewusst gesteuert ist, wissen die meisten Menschen auch nichts davon, daß sie es besser haben könnten, bzw. es besser haben müssten.
China ist anders, China ist eigen. Trotz aller Kritik muss man einige Dinge der Historie und der Kulturprägung zuschreiben. Manches wird dadurch nicht Richtiger, aber es hilft vielleicht bei einem Dialog.
Und genau den haben die Olympischen Spiele angestossen. Sonst hätte ich ja niemals diesen Artikel geschrieben! 
Darum heißt es dieses Jahr “The games will go on” - Immer noch. Ich hoffe allerdings, daß die Diskussionen nicht am 31. August, mit der Abschlussfeier der Spiele enden, nur weil sie aus dem medialen Fokus gerückt sind. Und hoffentlich ist den Leuten klar, diese Spiele werden geschönt sein, viele mussten und werden leiden, damit sie stattfinden, aber letztlich.. welches Land wäre schon besser gewesen?
